Public Viewing

 

Zweimal in kurzer Zeit war ich Gast beim Public viewing in unserer Gemeinde. Einmal waren alle hell entzückt, als in letzter Sekunde der Siegtreffer geschossen wurde, einmal waren alle am Boden zerstört nach einer herben Niederlage. Das Gemeinschaftsgefühl, die Verbundenheit im Bangen und Hoffen, die geteilte Freude oder das geteilte Leid waren und sind sehr eindrückliche Erfahrungen. Ich denke, dass nach dem frühen Aus der deutschen Mannschaft die Lust am Public viewing  sich in unserem Land in Grenzen halten wird. Auch wenn es sicherlich gute und spannende Spiele geben wird. Es fehlt ganz einfach die Verbundenheit zu den spielenden Teams. Ein Mensch, der sich im Public viewing auskannte, lebte bereits vor 1800 Jahren. Es war der heilige Ireneus von Lyon. Er war christlicher Schriftsteller und Märtyrer. Er versprach sich vom Public viewing nichts weniger als die umfassende Herrlichkeit - etwas, was uns heute selbst das beste und packendste Fußballspiel, selbst wenn die eigene Mannschaft glorreich und haushoch gewinnt, nicht bieten kann.

Ireneus geht es um die Schau Gottes. Und so schreibt er: „Die Gott schauen, erhalten Anteil am Leben Gottes. Die Herrlichkeit Gottes verleiht Leben. Deswegen macht sich der unfassbare Gott sichtbar, begreifbar und fassbar für die Menschen, um ihnen Leben zu schenken. Die Menschen werden Gott sehen, damit sie leben.“ Und am Ende schreibt er: „ Die Herrlichkeit Gottes ist der lebende Mensch.“ Nach Ireneus wird nicht nur der Mensch beim Public viewing lebendig und herrlich, sondern Gottes Herrlichkeit zeigt sich am lebenden Menschen.

Also nichts wie hin zu diesem Public viewing - umso mehr, dass das weltliche Public viewing ja dramatisch an Attraktivität eingebüßt hat.  Und wie geht das hier auf Erden. Christus sehe ich hier auf Erden auf zwei Weisen. Mit dem einen Auge in der Feier der Eucharistie und in der Anbetung des Allerheiligsten. Mit dem anderen Auge sehe ich Ihn im Mitmenschen, der meine Hilfe braucht.  Gemeinsam geschieht dieses Schauen in der Gemeinde, die ihren Glauben lebt. Also wollen wir gemeinsam Ausschau halten nach Christus in der Eucharistie und in der Ausschau nach Möglichkeiten einander zu helfen.

Es grüßt Sie Ihr „Viewer“ Ludwig – F. Mattes

zurück