Nicht mein Bier?

Der Papst war nicht amüsiert: „Iste Potus non frengit ieniunium.“ Auf Deutsch: Dieses Gesöff bricht das Fasten nicht. Und er spuckte das über die Alpen her gerollte Bier im hohen Bogen aus. Wie die Geschichte weiterging, das wissen wir alle. Nach päpstlicher Weisung brauten jetzt die Klöster dieses Getränk - in der Fastenzeit und auch im übrigen Kirchenjahr. Ist schon wahr. An das Bier muss man sich erst gewöhnen. Es schmeckt bitter. Kein Vergleich zu edlem Wein. Aber – in Maßen- ist es sehr bekömmlich und gesund. Und wer sich vor dem Alkohol fürchtet, kann inzwischen auch alkoholfreie Alternativen verwenden. Und diese werden – wegen der vielen guten Inhaltstoffe – bisweilen auch von Medizinern empfohlen. 

Nicht mein Bier? Ein anderes „Getränk", das ebenfalls in der Fastenzeit angeboten wird, wird auch von vielen verachtet. Es schmeckt den meisten nicht. Sogar gute und sonst praktizierende Katholiken weichen ihm aus.  Es ist die Beichte. Sie schmeckt bitter im Mund. Wenn mein Mund dem Beichtvater alles eröffnet, was Sünde ist. Sehr bitter. Denn ich will eigentlich ja gut sein. Diese Bitterkeit ist aber die Wahrheit. Ich spreche sie aus. Ich spreche aus, und schlucke das Übel nicht mehr hinunter – in die tiefe Grube meines Herzens. 

Und der „Bierbrauer“ im Beichtstuhl handelt. Er sprich los und frei. Wie Bier im Magen freundlich, bekömmlich und gesund so ist es die Lossprechung in der Seele. Die Lossprechung ist das zweite große Wandlungswort, das der Herr seiner Kirche durch den Mund seiner Priester schenkt.

Die Beichte – nicht mein Bier? Da kann ich nur empfehlen. Nehmen Sie einen großen Schluck. Und noch einen. Und irgendwann wird Ihnen die Beichte schmecken.

Es grüßt Sie
Ihr Braumeister
pardon Beichtvater
Ludwig-F. Mattes

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